Kirchen in Rottach-Egern

St. Laurentius - Kath. Pfarrkirche Egern

Eger (Egerdach, Egridum, Egerdan) bedeutet: Zu den ehemals gepflügten, nun zum Graswuchs benutzten Feldern.

Pfarrkirche St. Laurentius von Egern


Urkundlich erscheint der Ort zum ersten Mal um 1111. Die politische Gemeinde Rottach (die rote Ache, im Gegensatz zur Weißach: die weiße Ache) ist unter Abt Eberhard (1068-1091) mit Adalprecht de Rota erstmals erwähnt. Die Kirche wurde unter dem Tegernseer Abt Aribo 1111 erbaut und dem hl. Diakon Laurentius geweiht. Feier des Patroziniumfestes ist der 10. August. Laurentius starb angeblich als Martyrer 258 bei der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Valerian.

Grund einer Urkunde von Bischof Otto II. von Freising ist Egern seit 1187 Pfarrei. Unter dem guterhaltenen und wunderschönen Fresko an der Südseite der Kirche außen (1427) wird Conrad Kornsaer als "Verbeser diser Kirchn" genannt.

Überliefert sind uns die Namen des Poliers Martin Fischer, der Gesellen Hans Nagl, Hans Gaißl, Kaspar Erhard und des Gipskochers Martin Ehamb. Zur kostbarsten Ausstattung der Kirche gehören das Hochaltarbild von Hans Georg Asam aus dem Jahr 1690, das den Titelheiligen darstellt und das Gnadenbild "Unsere liebe Frau von Egern" aus dem 15. Jahrhundert im rechten Seitenaltar. Ihm wurden wunderbare Gebetserhörungen zugeschrieben. Der Schreinermeister Gregor Höß zum Kistler in Egern hat 1685 die Schreinerarbeiten am Marienaltar, 1686 am Magdalenenaltar, 1689 am Hochaltar ausgeführt.

"Egern 1685/86 wurde ein neuer Seitenaltar, worin das wunderthätige Unser Lieb Frau Bildt Peht. gemacht worden. Dem Kistler Gregori Höss von Egern von der Architektur und aller zu gehörig Kistlerarbeit - 70 Gulden. Dem Bildthauer von Schliersee für seine dazu gemachte Arbeit 24 Gulden 15 Kreuzer. Item dem welcher die geschnittene Bilder von Schliersee allhero gebracht mit Einschluß eines wenig Leitkaufs für sein Wein 1 Gulden. Geörg Paumbgartner Mallern zu Tegernsee von solchen Altar zu fassen und zu vergolden 145 Gulden und für seine Hausfrau zu einem Leitthkauff 1 Gulden 45 Kreuzer. Als der alte Altar abgebrochen und der Neue aufgerichtet worden auch die Kirch ausgeputzt worden hat einen Trunk bezahlt 1 Gulden 20 Kreuzer. Für ein Fueder Sagkleibm zur Ausputzung der Kirche 8 Kreuzer."

"1690 Egern Herr Hans Geörg Asam Mallern ist wegen des gemallen Platts in dem Choraltar das Geding bezahlt worden 107 Gulden dessen Lehrjung bsonderlich zum Drinkgeld geben 1 Gulden 45 Kreuzer. Und seiner Hausfrauen, als welche die Miraculoße unser Lieben Frau Bildniß alda renoviert und verbessert zahlt 2 Gulden 7 Kreuzer."

Die Pfarrkirche Egern ist seit 1647 zugleich Wallfahrtskirche, und zahlreiche Pilger kommen vertrauensvoll zum wundertätigen Marienbild auf dem linken Seitenaltar. Das vielverehrte Gnadenbild ist 1,25 m hoch. Bis 1804 haben die Pfarrvikare die Gebetserhöhungen aufgeschrieben. Im Pfarrarchiv sind 2 Bände "Marianischer Wunderbaum" erhalten. Bei der Sekularisation wurde die Wallfahrt verboten.

Votivbilder von der Sendlinger Mordweihnacht 1705, vom Spanischen Erbfolgekrieg 1701-1714, von den napoleonischen Kriegen 1800-1814, vom Deutschen Krieg 1866 und vom Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, sämtlich mit den Namen der Gefallenen und Heimgekehrten aus den Pfarreien Egern und Kreuth hängen in der Kirche.

Auf der Nordseite der Kirche, an der Seestraße, steht eine Kapelle, früher Totensakrer genannt ( hier wurden die Toten aufgebahrt und die Gebeine aus aufgelassenen Gräbern verwahrt), im spätgotischen Stil. 1508 wurde die Kapelle zu Ehren der Pestpatrone Sebastian und Rochus erbaut. Die Renovierung von 1966 legte den sparsamen alten Freskenschmuck der Gewölbe frei und machte den anziehend ausgestatteten Raum zur Taufkapelle.

Auf der Nordseite des Friedhofes ist eine Kapelle als Seiteneingang zur Kirche zum Gedächtnis für die Gefallenen der Kriege errichtet. Dort sind eingeschrieben von der Sendlinger Bauernschlacht (Weihnachten 1705) 26 Namen, vom russischen Feldzug unter Napoleon (1812) 20 Namen, vom Deutsch-Französischen Feldzug (1870/71) 5 Namen, vom 1. Weltkrieg (1914/18) 104 Gefallene und 11 Vermißte, vom 2. Weltkrieg (1939/45) 153 Gefallene, 5 Verstorbene und 15 Vermißte.

Auf dem Egerer Friedhof fanden ihre letzte Ruhe zwischen alteingesessenen Geschlechtern die Dichter Ludwig Thoma und seine Geschwister Peter und Berta, Ludwig Ganghofer, Maidi Liebermann, der Opernsänger Leo Slezak mit Frau und Tochter, Karl Alexander von Müller. Internationale Aristokratie: Wittgenstein, Henkel-Donnersmark, Honourable William Lord Ponsonby, Graf Adlerberg - der letzte russische Botschafter am Bayrischen Königshof, Graf Nikolaus Adlerberg und Gattin - Adjutant des letzten russischen Zaren, Joseph Ennemoser, Dr. der phil. und Medizin, geb. 1787 zu Schönau im Passeir in Tirol, gest. 19.9.1854 - Adjutant und Geheimschreiber von Andreas Hofer. Es ist unmöglich, sie alle aufzuzählen, alle ruhen sie hier im Tod vereint.

Aus dem kath. Kirchenführer von Egern von 1998 und alten Zetteln (als Schmierzettl wieder verwendet), aufbewahrt im Museum Tegernseer Tal.

Evangelische Auferstehungskirche Rottach-Egern